Die Reihenfolge der Wörter eines Satzes
ist im Lateinischen weniger bedeutsam als im Deutschen. Vielleicht
hat der eine oder andere Leser schon entdeckt, warum das so
ist: Die Endung -um bei Lucium zeigt, dass Lucius derjenige
ist, der gerufen wird. Grammatisch gesprochen: Lucius ist das
Objekt. "Das funktioniert auch im Deutschen", sagen
Sie jetzt vielleicht: DenLucius ruft der Marcus. Sie
sehen, wenn man einmal damit anfängt, lässt's einen
nicht mehr los.Für solche Sprachexperimente ist das Lateinische
besonders gut geeignet, weil es anders funktioniert als das
Deutsche und viele moderne Fremdsprachen. Und hier liegt u.a.
ein wichtiges Argument für das Erlernen dieser sog. toten
Sprache: Wer Latein lernt, lernt durch Vergleich. Er vergleicht
den lateinischen Satzbau mit dem Deutschen. Er vergleicht lateinische
Wortbedeutungen mit deutschen. Er vergleicht römische
Kultur mit deutscher Kultur usw. Dieses ständige Vergleichen
ist so interessant, weil die Unterschiede groß genug
sind, dass ein Vergleich lohnt, aber nicht zu groß sind,
dass Aufwand und Ergebnis in keinem vertretbaren Verhältnis
stünden.
|
|
Andere Zeiten... |
...andere Sitten! |
In Lektion 25 unseres Lateinlehrbuchs lernen die Schüler
das römische Fest der AnnaPerenna kennen.
In diesem Zusammenhang erfahren sie auch, dass die Römer
keinen Sonntag kannten. Das führt dann meist zu der Frage,
wie denn die Römer zu ihrem wohlverdienten Wochende kamen. "Und
warum haben wir einen Sonntag?" ist die nächste Frage,
und schon sind wir in der Gegenwart und denken über scheinbar
Selbstverständliches nach, weil wir Latein lernen.
Dieser
Sprach- und Kulturvergleich öffnet den Blick für
das Fremde und schafft ein Bewusstsein für den Wert des
Eigenen, ohne das Fremde damit abzuwerten. Lateinunterricht
schafft so wichtige Voraussetzungen für Toleranz. Er schafft
aber auch ein neues Bewusstsein für die Muttersprache,
ihre Möglichkeiten und Grenzen. Dies wird vor allem durch
das Übersetzen aus dem Lateinischen gefördert, denn
wer übersetzt, muss beide Sprachen beherrschen, die Ausgangssprache
und die Zielsprache.
Basissprache Latein
Freiheit heißt auf Latein libertas, auf Französisch liberte,
auf Spanisch libertad und auf Italienisch liberta.
Dass ist natürlich kein Zufall, denn Latein ist sozusagen
die Mutter all dieser Sprachen, die man unter dem Namen romanische
Sprachen zusammenfasst. Somit bietet Latein auch für das
spätere Erlernen einer romanischen Sprache denkbar günstige
Voraussetzungen. Und in vielen Fällen ist Latein auch
im Englischen hilfreich: Freiheit heißt dort bekanntlich liberty.
Nicht zuletzt fördern solche Kenntnisse aber auch das
Verstehen von Fremdwörtern wie Liberalismus oder liberal.
Basissprache
Latein |
Latein |
Italienisch |
Spanisch |
Französisch |
Englisch |
Bedeutung |
libertas |
libertà |
libertad |
liberté |
liberty |
Freiheit |
gloria |
gloria |
gloria |
gloire |
glory |
Ruhm |
aedificium |
edificio |
edificio |
édifice |
edifice |
Gebäude |
Latein an der Großen
Stadtschule
Klasse 7 |
Erlernen
der Sprache anhand eines Lehrbuches. |
Erwerb eines ausreichenden
Wortschatzes, grundlegender Kenntnisse in Grammatik
und römischer Kultur
|
Klasse 8 |
| Klasse 9 |
Klasse 10 |
Vertiefung der Sprachkenntnisse
anhand leichter Lektüren |
Erweiterung des Wortschatzes
und der Grammatikkenntnisse
zentrale Themen: Gladiatoren, der Aufstand des Vercingetorix |
Klasse 11 |
Welterfahrung in poetischer
Gestaltung
Geschichte und Politik |
Einübung in die Textanalyse
und Textinterpretation vorwiegend anhand von Texten aus
Caesar, Cicero, Ovid und Seneca. |
Klasse 12 |
Gesellschaft und Alltagsleben
Philosophie und Religion |
|
Abitur |
Text aus Caesar oder Cicero
oder Seneca (bei Großem Latinum zusätzlich
Ovid) zu den Themen der Oberstufe |
Übersetzung, Interpretation
und Wertung des Übersetzungstextes |
Latinum und Großes Latinum
Wer Latein in Klasse 7 beginnt und in Klasse 11 mit mindestens
5 Punkten (= Note 4) besteht, erwirbt damit das Recht, auf
dem Abiturzeugnis den Vermerk Latinum zu erhalten.
Wer in Klasse 10 mit Latein beginnt, muss zum Erwerb des Latinums
eine "Ergänzungsprüfung" ablegen. Diese Prüfung
erfolgt nach den Abiturprüfungen und besteht aus einer schriftlichen Übersetzungsklausur
und einer mündlichen Prüfung.
Das Große Latinum kann erwerben, wer Latein von Klasse
7 bis 12 belegt und Latein als Abiturprüfungsfach gewählt
hat.
Latinum und Großes Latinum können nach dem Abitur
auch in Universitätskursen erworben werden, dort allerdings
in wesentlich kürzerer Zeit mit entsprechend höherem
Lernaufwand.
Aus dem Unterricht
In der Klasse 10 beschäftigen wir uns z. Z. mit Gladiatoren.
Hier einige interessante Details:
Wussten Sie, dass …
- Gladiatorenkämpfe immer paarweise stattfanden?
- es verschiedene Gladiatorengattungen gab (vgl. Abbildung)?
- nach festen Regeln gekämpft wurde, deren Einhaltung
von zwei Schiedsrichtern überwacht wurde?
- es sogar Frauen als Gladiatoren gab? Man nannte sie gladiatrices;
- Gladiatorenkämpfe ursprünglich ein (vermutlich
etruskischer) Ritus zur Ehren Verstorbener war?
- manche Gladiatoren zu regelrechten Publikumslieblingen
avancierten?
- Gladiatoren eine Ausbildung absolvierten, ehe sie in der
Arena kämpften?
- in einem Zweikampf der unterlegene Gegner keineswegs immer
getötet wurde?
- die Römer das Kolosseum Amphitheatrum Flavium nannten?
- im Kolosseum rund 50.000 Zuschauer Platz fanden?
|
|
J.Wahlbrink |