Esther Bejarano und die Microphone Mafia

Eine bewegende Geschichte

Am Freitag, dem 9. 9. 2016, fand um 13:00 Uhr eine Lesung für die 9. und 11. Klassen in der schönen Aula der Großen Stadtschule Geschwister-Scholl statt.
Esther Bejarano, 91 Jahre alt, las aus ihrer Autobiografie „Erinnerungen. Vom Mädchenorchester in Auschwitz zur Rap-Band gegen rechts“.

Sie erzählte aus der Zeit, in der sie als junges Mädchen erst ins Zwangsarbeitslager bei Berlin und später dann in das  Konzentrationslager Auschwitz deportiert wurde. Die Schilderungen der Lebensumstände und der schweren Arbeit machten die Schüler betroffen.

Esther Bejarano las mit ihrer ruhigen, aber ausdrucksstarken Stimme von ihrer Entdeckung für das Mädchenorchester, von dem Glück, als sie und zwei ihrer Freundinnen aufgenommen wurden. Doch man spürte auch die Belastung, als sie von der Zeit sprach, in der sie nun  Akkordeon spielte, ein Instrument, welches sie nie zuvor auch nur in der Hand gehabt hatte, wenn die Arbeitskolonnen täglich aus dem Lager marschierten oder wenn neue Gefangenentransporte das Konzentrationslager  erreichten, während sie fröhliche Lieder spielten, wenn von all den schrecklichen Schicksalen die Rede war.

Sie hatte die Chance, das Vernichtungslager Auschwitz zu verlassen, da sie zu einem Viertel arisch (christlich) war. So kam sie, erzählte die 91 Jährige, in das KZ Ravensbrück. Dort arbeitete Esther Bejarano  ca. 2 Jahre lang für einen Elektronikhersteller. Als dann der Krieg für die Deutschen drohte verloren zu gehen, musste sie mit auf einen der Todesmärsche.

Esther Bejarano erzählte,  wie sie auf alte Freundinnen traf und von den Qualen des Weges.

Ihr und ihren Freundinnen gelang zwischen Karow und Plau am See die Flucht. Als sie dann vom Ende des Krieges, der Befreiung durch die Rote Armee und dem Tanz um ein brennendes Hitler- Bild sprach, waren unter den Schülern  Erleichterung und Glücksgefühle für die Menschen dieser Zeit förmlich zu spüren. Es herrschte Totenstille.

Nach dem künstlerischen Erleben dieser so unglaublichen Geschichte betraten zwei Männer die Bühne, Signore Rossi und Kutlu Yurtseven, von der Microphone Mafia aus Köln. Sie rappten gegen Rassismus, für Frieden und zu unserer Überraschung auch alte „Volkslieder“ in neuer Version  –  und Esther sang mit. Auch die  Schüler wurden um musikalische Unterstützung gebeten. Im Gegensatz zu Esther müssen einige noch viel üben.

Zum Ende hielten die zwei Musiker und Esther Bejarano ein Banner mit dem Schriftzug „Nie wieder Krieg“ hoch. Eine Mahnung an alle vernunftbegabten Menschen. Also auch an die Schüler der Großen Stadtschule „Geschwister-Scholl“ in Wismar.

Nach kräftig verlangter Zugabe und anschließendem Beifall mit standing ovations war dieser Einblick in die tatsächlich bewegende Geschichte der Esther Bejarano vorbei.

Viele Schüler verließen mit einem nachdenklichen aber lächelnden Gesicht die Aula – und bestimmt nicht wenige, so wie auch ich  – voller Bewunderung für Esther Bejarano.

Die Frau, die so viel Schreckliches gesehen und erlebt und sich trotzdem ihre fröhlich Lebenserwartung erhalten hat.

Diese kleine große Frau, die mit den Rappern der Microphone Mafia mit 91 Jahren die Bühne rockt, deren Lieder im neuen Gewand zu Ohrwürmern werden können.

Von Ronja-Marie Strautz, Klasse 9b