Schule

Die Geschichte der Großen Stadtschule

Im Jahre 1180 errichteten die Benediktiner, die aus Lübeck kamen, die erste Klosterkirche, die „Kirche zum heiligen Kreuz“, auf dem heutigen Schulgelände. Später wanderten sie nach Holstein ab.

1251 kamen die Franziskaner auf Geheiß der Fürstin Anastasia in das Benediktinerkloster. Davon zeugte das Datum, welches in der Wand der Kirche eingraviert war. Sie führten ein Leben als Bettelmönche.
Nachdem sie die „Kirche zum heiligen Kreuz“ abrissen, errichteten sie auf ihren Grundmauern eine neue Kirche mit finanzieller Unterstützung Anastasias.
Es wird vermutet, daß Anastasia im Chor der Kirche beigesetzt wurde.
Im 14. Jahrhundert verfiel der Franziskanerorden zunehmend, da die Mönche gegen die von Franz von Assisi auferlegten Ordensregeln verstießen. Der Rat der Stadt sah sich 1350 genötigt, dem Treiben der Mönche Einhalt zu gebieten.

Erst gegen 1500 gewannen die Bürger der Hansestadt Wismar wieder Vertrauen zu den Mönchen. Aufgrund unterschiedlicher politischer Ereignisse, sowie Auswirkungen von Ablaßhandel und Reformation, wurde das „Graue Kloster“, wie das Kloster auch genannt wurde, 1541 geschlossen und eine evangelisch – lutherische Lateinschule in den Räumen des Kleinen Schlafhauses eingerichtet.

1587 wurde die rein geistliche Beaufsichtigung der Schule beseitigt, so daß der Rat der Stadt an Einfluß gewann. Trotzdem blieb die Schule über Jahrhunderte an die Kirche gebunden. Der Niedergang der Großen Stadtschule in der Zeit von 1675 – 1723 ist die Folge politischer Ereignisse und Zustände in der Hansestadt Wismar, die fast zu der Auflösung der Schule führten.

1746/47 wurde das Beichthaus mit dem dritten Kreuzflügelgang abgebrochen, so daß durch den Verkauf der Steine eine Sanierung der Kirche möglich wurde. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts verfiel die humanistisch – reformatorisch geprägte Große Stadtschule, wurde aber als neuhumanistisches Gymnasium mit Bürgerschule wieder aufgebaut.

Im 19. Jahrhundert mußte die Kirche wegen Baufälligkeit abgerissen und das Kleine sowie das Große Schlafhaus abgebrochen werden.

1891/92 begann der Neubau der heutigen Großen Stadtschule.

Im Kriegsjahr 1915 wurde die Sporthalle auf dem Gelände der einstigen Kirche errichtet.

1923 kam es zu der vollständigen Verstaatlichung der Schule.

Ab 1933 wurde der Schulbetrieb der Großen Stadtschule durch die NSDAP beeinflußt und schließlich geändert.

1938 wurde durch die Schulreform im nationalsozialistischen Sinn das höhere Schulwesen vereinheitlicht. Es entwickelte sich einbildungsfeindliches Schulsystem. Aus dem „staatlichen Gymnasium mit Oberrealschule“ von 1923 entstand 1937 die „Große Stadtschule, staatliche Oberschule und Gymnasium zur Seestadt Wismar „.

Im Mai 1933 gründete Oberstudiendirektor Dr. Rudolf Kleiminger die „Altschülerschaft der Großen Stadtschule zu Wismar„. Er wollte damit das Zusammengehörigkeitsgefühl der Mitglieder fördern, eine Gemeinschaft als Gegenkraft zu Hitler gründen und die humanistische Tradition wahren.

In Folge des zweiten Weltkrieges 1939 – 1945 kam es zeitweise zu der Auslagerung der Schule wegen der großen Gefahr eines Bombenangriffes (zum Beispiel nach Neukloster). Während des Krieges wurde die Schule teilweise als Lazarett genutzt. Bis zu der Gründung der DDR 1949 war die Schule weiter ein Gymnasium.

Im Jahre 1948 wurde sie dann „Erweiterte Oberschule Geschwister Scholl“ genannt.

Mit der Wende 1989 und der darauf folgenden Schulreform entstand aus der „Erweiterten Oberschule Geschwister Scholl“ wieder ein Gymnasium, die „Große Stadtschule Geschwister Scholl Gymnasium“.

Die Große Stadtschule besteht aus dem älteren Hauptgebäude, das auf dem Gelände des Kleinen Schlafhauses errichtet wurde, dem später gebauten naturwissenschaftlichen Trakt auf dem Gebiet des Großen Schlafhauses und der 1915 erbauten Sporthalle, die zum Teil auf dem Gelände des Chores der einstigen Klosterkirche steht.
Die Schule wurde im neo – gothischen Stil erbaut. Die Klassenräume befinden sich im Erdgeschoß und in der ersten Etage der Schule, aber auch der Dachboden wird schulisch genutzt.

In dem westlichen Teil der ersten Etage befindet sich die Aula. Sie wurde 1991 umgebaut und wieder in ihrem ursprünglichen Stil hergerichtet. Die Restauration umfaßte die Instandsetzung der Empore und der Bühne, die Freilegung des Dachstuhls, die Einsetzung farbiger Rundbogenfenster, die Erneuerung des Parketts und den Einbau einer modernen Innenausstattung (Fußbodenheizung, Beleuchtung, Bestuhlung, Beschallung). Jetzt erstrahlt die Aula wieder in alter Schönheit. Im Rahmen der 450 Jahrfeier am 29. September 1991, dem Michaelistag, wurde sie offiziell übergeben.

Aus den Türmen des Giebels der Aula entwickelte sich das Wahrzeichen der Großen Stadtschule.

In der Schule gibt es auch einen Klubkeller, der durch die Schüler 1972 eingerichtet wurde.
1996 setzte man ihn,zusammen mit anderen Kellerräumen, instand. Jetzt sind im Keller moderne Sanitäranlagen und ein neues Fotolabor vorhanden.

In der Schule wurden auch die Räume für eine schuleigene Bibliothek bereitgestellt, die unter anderem durch Bücherspenden von Altschülern erweitert wird. Sie wird von Schülern gerne aufgesucht und oft benutzt.

Vielseitige Aktivitäten vollziehen sich ebenfalls in den musischen, dramatischen, künstlerischen, schulgeschichtlichen und archäologischen Projekten und Arbeitsgemeinschaften, so daß der humanistische Geist der Vergangenheit in der Gegenwart immer lebendig gehalten wird.